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Oaxaca: das kulinarische und kulturelle Herz Mexikos

Es gibt Orte, die man bereist. Und es gibt Orte, die man in sich trägt, lange nachdem man wieder zu Hause ist. Oaxaca gehört zur zweiten Kategorie.

Die Stadt im gleichnamigen Hochtal Südmexikos, auf rund 1.500 Metern Höhe gelegen, ist seit Jahrzehnten ein Geheimtipp unter Reisenden, die Mexiko jenseits von Cancún und Chichén Itzá suchen. Und dennoch ist sie nie zum Massenphänomen geworden – zu komplex, zu eigen, zu reich. Wer Zeit mitbringt und Offenheit, findet hier eines der dichtesten Kulturerlebnisse Lateinamerikas.

Eine Küche, die die Welt bewegt

Die mexikanische Küche wurde 2010 als erste Nationalküche überhaupt in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Und innerhalb Mexikos ist Oaxaca das Epizentrum dieser kulinarischen Anerkennung.

Das liegt an der Mischung. Nicht die eine Mischung – sondern den sieben von Oaxaca: Negro, Rojo, Coloradito, Amarillo, Verde, Chichilo, Manchamanteles. Sieben verschiedene Saucen, jede mit zwanzig bis dreissig Zutaten, jede das Ergebnis jahrhundertelanger Entwicklung. Die schwarze Mischung (Mole Negro), die dunkelste und komplexeste, enthält Kakao, mehr als eine Handvoll Chilisorten und Gewürze, deren Zusammenspiel sich einem chemischen Formelblatt entzieht. Sie schmeckt wie nichts sonst auf der Welt.

Daneben: Tlayudas (grosse, knusprige Maistortillas mit Bohnen, Käse und Fleisch), Chapulines (geröstete Heuschrecken, nussig und salzig-knusprig), Tejate (ein kaltes Kakaogetränk der Zapoteken) und eine Strassenküche, die jeden Kilometer auf dem Mercado Benito Juárez neu definiert.

Tipp für Reisende aus der Schweiz, Deutschland und Österreich

Wer gut isst, isst in Oaxaca: In der Innenstadt finden sich zahlreiche Restaurants, die für internationale Aufmerksamkeit gesorgt haben. Aber die authentischsten Mahlzeiten sind die, die man an Marktständen bekommt – für wenige Pesos, auf einem Plastikstuhl, mit bestem Blick auf das Markttreiben.

Mezcal: mehr als Tequilas wilder Bruder

Mezcal ist in Oaxaca kein Trend. Er ist Tradition. Während Tequila aus einem einzigen Agaven-Destillat entsteht, kann Mezcal aus über dreissig verschiedenen Agavenarten hergestellt werden – jede mit eigenem Geschmack, jede mit eigenem Reifegrad von sieben bis fünfzig Jahren.

Im Tal von Tlacolula, eine Stunde östlich von Oaxaca-Stadt, besucht man Familiendestillerien, in denen Mezcal noch in Tontöpfen über Holzfeuer gebrannt wird. Palenques nennt man diese kleinen Anlagen. Einige sind seit Generationen in Familienhand. Der Maestro Mezcalero kennt seine Agaven beim Namen. Der Besuch einer Palenque ist kein touristisches Programm – es ist eine Einladung in eine Welt, die trotz internationalem Hype erstaunlich geerdet geblieben ist.

Wer Mezcal auf diesem Weg kennenlernt, trinkt ihn danach anders.

Monte Albán: der Aussichtspunkt der Zapoteken

Acht Kilometer ausserhalb von Oaxaca-Stadt liegt Monte Albán – und wer dort ankommt, versteht sofort, warum die Zapoteken diesen Bergrücken gewählt haben. Das Gelände ist flach gewalzt, obwohl man auf einem Berg steht. Ringsum fällt das Land in weite Täler ab. Tempel, Ballspielplatz, Sternwarte, Palastanlagen – alles so ausgerichtet, dass das Auge immer wieder auf den Horizont stösst.

Monte Albán war von 500 v. Chr. bis 700 n. Chr. eines der grössten urbanen Zentren Mesoamerikas. Die Zapoteken, eine der ältesten hochentwickelten Kulturen des amerikanischen Kontinents, haben hier ihre Schrift, ihren Kalender und ihre monumentale Baukunst hinterlassen. UNESCO-Welterbe seit 1987.

Früh morgens gehen – bevor die Reisebusse kommen. Die ersten Stunden gehören dann fast nur dem eigenen Staunen.

Die Dörfer rund um Oaxaca: wo Tradition lebt

Oaxaca-Stadt ist der Einstieg. Das Eigentliche passiert in den Dörfern des Valles Centrales – dem zentralen Talbecken, das sich rund um die Stadt erstreckt.

Teotitlán del Valle: ein Dorf, das seit Jahrhunderten Teppiche webt – mit natürlichen Farbstoffen aus Kakteen, Cochenille-Schildläusen und Indigo. Die Weberinnen erklären den Prozess gerne, wenn man fragt und zuhört.

San Bartolo Coyotepec: das Dorf, das schwarze Barro-Keramik hergestellt hat, lange bevor sie in New Yorker Designläden auftauchte. Die Töpfer arbeiten auf Augenhöhe.

Tlacochahuaya: ein kleines Dorf mit einer Kolonialkirche, die im Innern so farbenfroh bemalt ist, dass man vergisst, warum man eigentlich hereingekommen ist.

Hierve el Agua: das Unmögliche in Stein

Oaxaca hat ein Naturphänomen, das man sehen muss, um es zu glauben: Hierve el Agua – übersetzt «das Wasser kocht». Nein, es kocht nicht wirklich. Es perlt. Und es hat über Jahrtausende versteinertes Wasser abgelagert, das heute wie gefrorene Wasserfälle über einen Berghang ragt. Oben: natürliche Mineralpoole mit Blick ins Tal. Unten: eine Kaskade aus weissem Kalk, die kein Architekt der Welt entwerfen könnte.

Die Fahrt dorthin führt durch Mezcal-Agavenfelder und Bergdörfer. Der Weg ist Teil des Erlebnisses.

Wann nach Oaxaca?

Die beste Reisezeit ist Oktober bis April (Trockenzeit). Wer Anfang November reist, trifft auf Día de Muertos – eines der eindrücklichsten Feste der Welt, in Oaxaca besonders lebendig und visuell überwältigend. Im Juli findet das Guelaguetza-Festival statt: ein grosses indigenes Tanzfest, bei dem Gruppen aus allen Regionen Oaxacas ihre Trachten und Tänze zeigen.

Oaxaca als Teil einer Mexiko-Rundreise

Oaxaca liegt im Süden Mexikos und passt gut in eine Rundreise, die Mexiko-Stadt mit Chiapas und Yucatán verbindet. Typische Route (ca. 3 Wochen): Mexiko-Stadt (4 Nächte) – Oaxaca (4–5 Nächte) – San Cristóbal de las Casas / Chiapas (3–4 Nächte) – Mérida / Yucatán (4 Nächte) – Tulum / Küste (2–3 Nächte).

Swiss Tropical Tourism plant Mexiko-Rundreisen für Reisende aus der Schweiz, Deutschland und Österreich – individuell, sorgfältig ausgewählt und mit Begleitung bei Bedarf.

▸ FAQ

F: Was macht Oaxaca als Reiseziel so besonders?

A: Oaxaca vereint auf engstem Raum eine UNESCO-Küche, Mezcal-Handwerk, lebendige indigene Kulturen (über 16 Ethnien), archäologische Stätten wie Monte Albán und eine entspannte Kolonialstadt-Atmosphäre. Es ist eines der kulturell dichtesten Reiseziele Lateinamerikas – ohne Massentourismus.

F: Was ist der Unterschied zwischen Mezcal und Tequila?

A: Tequila wird ausschliesslich aus der Blauen Weber-Agave hergestellt und ist auf bestimmte Regionen Mexikos (vor allem Jalisco) beschränkt. Mezcal kann aus über 30 Agavenarten gebrannt werden und stammt hauptsächlich aus Oaxaca. Mezcal ist rauchiger, vielschichtiger und in seiner handwerklichen Form ein Produkt mit tiefen kulturellen Wurzeln.

F: Wie lange sollte man in Oaxaca verbringen?

A: Mindestens 4–5 Tage, um die Stadt und einige Dörfer der Umgebung kennenzulernen. Wer Día de Muertos oder Guelaguetza erleben will, plant 6–7 Tage ein. Oaxaca verlangt kein Tempo – es belohnt Langsamkeit.

F: Ist Oaxaca sicher für Reisende aus Europa?

A: Oaxaca-Stadt gilt als eines der sichersten Reiseziele Mexikos. Die Innenstadt, die touristischen Viertel und die umliegenden Dörfer sind problemlos bereisbar. Wie überall empfehlen wir nächtliche Vorsicht und die Nutzung empfohlener Unterkünfte und Guides.

→ Mehr zu unseren Mexiko-Reisen: dahlercostarica.com/mexico/

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