Tortuguero: das Dorf ohne Strassen, in dem die Schildkröten den Kalender bestimmen
Kein Auto, keine Strasse, nur Kanäle, Regenwald und ein dunkler Sandstrand, an dem seit Jahrtausenden Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Was Tortuguero an der Karibikküste Costa Ricas so besonders macht, welche Schildkröte wann kommt, wie eine Nacht am Nistplatz abläuft und warum sich die Reise auch ausserhalb der Saison lohnt.
Die letzte Strasse endet irgendwo zwischen Bananenplantagen, an einem Bootssteg. Wer weiter will, steigt in ein schmales Motorboot. Dann geht es eine gute Stunde lang durch Kanäle, an deren Ufern Reiher stehen, Kaimane im Wasser liegen und Brüllaffen in den Bäumen schreien.
Am Ende dieser Fahrt liegt ein Dorf auf einem schmalen Sandstreifen zwischen Fluss und Karibischem Meer. Es gibt dort keine Autos, und es gibt einen Strand, der zu den wichtigsten Orten der Welt für Meeresschildkröten gehört.
Tortuguero heisst übersetzt so viel wie «Ort der Schildkröten». Der Name ist keine Werbung. Er ist eine Beschreibung.
Kurz erklärt: Was ist Tortuguero?
Tortuguero ist ein Dorf und ein Nationalpark an der nördlichen Karibikküste Costa Ricas, in der Provinz Limón. Das Gebiet ist nur per Boot oder Kleinflugzeug erreichbar. Der Nationalpark wurde 1970 gegründet und schützt rund 26’650 Hektaren Land und gut 50’000 Hektaren Meer. Er ist der wichtigste Nistplatz der Grünen Meeresschildkröte in der westlichen Hemisphäre: Hauptsaison ist von Juli bis Oktober, die Jungtiere schlüpfen von etwa Mitte September bis Mitte November.
Auf einen Blick: Anreise nur über Wasser oder Luft · Grüne Meeresschildkröten Juli bis Oktober · Schlüpfen etwa Mitte September bis Mitte November · Lederschildkröten im Frühjahr · Nistbeobachtung nur nachts mit zertifiziertem Guide · Fotografieren am Strand verboten.
Ein Dorf, das man nur über Wasser erreicht
Wer Tortuguero zum ersten Mal besucht, merkt schnell, dass hier vieles anders funktioniert als im Rest des Landes. Das Dorf liegt auf einer Nehrung, einem langen Sandstreifen, der vom Festland durch den Río Tortuguero getrennt ist. Rund 1’200 bis 1’500 Menschen leben hier. Die Wege sind aus Sand, die «Strassen» sind Kanäle.
Es gibt vier übliche Wege hierher:
- Mit dem Boot ab Caño Blanco oder La Pavona. Bis zu einer dieser Bootsanlegestellen fährst du mit dem Mietwagen, dem Bus, einem Privat- oder einem Shuttle-Transfer, danach geht es per Motorboot weiter. Ab Caño Blanco dauert die Bootsfahrt bis zur Tortuga Lodge rund eine Stunde; der Bootstransfer der Lodge fährt täglich um 10.30 Uhr ab und ist in der Buchung inbegriffen.
- Mit dem Kleinflugzeug ab San José. Der Flug dauert rund 25 bis 30 Minuten; vom Flugplatz sind es wenige Minuten Bootsfahrt bis zu den Unterkünften am Fluss. Linienflüge bietet Sansa an, private Charter sind ebenfalls möglich.
- Kombiniert: mit dem Boot hin, um die Kanäle zu erleben, zurück mit dem Flugzeug, um Zeit zu sparen, oder umgekehrt.
- Mit dem Lodge-Transfer ab San José. Verschiedene Lodges bieten Pakete an, bei denen ein kleiner Bus die Gäste in San José abholt. Unterwegs gibt es einen Frühstücksstopp, an der Bootsanlegestelle geht es direkt mit dem Boot der Lodge weiter bis zur Unterkunft.
Die Kanäle selbst sind übrigens nicht alle natürlich. Ein Teil wurde in den 1940er-Jahren für den Holztransport angelegt und bis zu den 1970er-Jahren ausgebaut. Heute verbinden sie Lagunen, Flüsse und Dörfer entlang der Küste und sind die Hauptverkehrsachsen der Region.
Wie Tortuguero zum Land der Schildkröten wurde
Die Geschichte von Tortuguero ist eine der bemerkenswertesten Wendungen im costaricanischen Naturschutz.
Über Generationen lebten die Menschen hier von dem, was Wald und Strand hergaben: Holz, Tierhäute und vor allem Schildkröten. Fleisch und Eier wurden gegessen und verkauft. In den 1950er-Jahren war der Bestand der Grünen Meeresschildkröte in der Karibik stark zurückgegangen.
Dann kam ein Biologe aus Florida. Archie Carr begann in den 1950er-Jahren, die Schildkröten von Tortuguero zu beobachten und zu markieren. 1959 entstand aus seiner Arbeit heraus die Organisation, die heute Sea Turtle Conservancy heisst. Ihre Langzeitbeobachtung in Tortuguero gilt als das längste ununterbrochene Forschungsprogramm zu Meeresschildkröten weltweit; die costa-ricanische Naturschutzbehörde spricht von über 66 Jahren durchgehender Daten.
Auf die Forschung folgte der Schutz:
- 1970 wurde Tortuguero per Regierungsdekret zum Nationalpark erklärt.
- 1975 bestätigte ein Gesetz (Ley 5680) den Park und stellte ihn unter absoluten Schutz.
- 1996 wurde das Gebiet als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention anerkannt.
Das Entscheidende passierte aber im Dorf selbst. Mit den ersten Besucherinnen und Besuchern wurde eine lebende Schildkröte mehr wert als eine tote. Ehemalige Jäger und ihre Kinder wurden zu Guides, Bootsführern, Köchinnen und Lodge-Angestellten. Heute lebt Tortuguero fast ausschliesslich vom Ökotourismus.
Eine Schildkröte, die zurückkommt, ernährt das Dorf jedes Jahr wieder. Eine gegessene nur einmal.
Welche Schildkröte kommt wann? Der Tortuguero-Kalender
Am rund 35 Kilometer langen, dunklen Sandstrand von Tortuguero nisten drei Arten regelmässig; eine vierte kommt gelegentlich vor.
| Art | Wann | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) | Juli bis Oktober, Höhepunkt meist im August | Die Hauptattraktion. Tortuguero ist ihr grösster Nistplatz in der westlichen Hemisphäre. |
| Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) | etwa Februar bis Juli, am häufigsten März bis Mai | Die grösste lebende Schildkrötenart. In Tortuguero deutlich seltener als die Grüne. |
| Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) | etwa Juli bis Oktober | Vereinzelt, eine Sichtung ist Glückssache. |
| Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) | gelegentlich | Sehr selten an diesem Strand. |
Dazu kommen die Jungtiere. Die Eier brauchen etwa 60 bis 70 Tage, bis sie schlüpfen. Für die Grüne Meeresschildkröte heisst das: Von ungefähr Mitte September bis Mitte November graben sich die kleinen Schildkröten aus dem Sand und laufen zum Meer, meist in der Dämmerung oder nachts, wenn der Sand kühler ist.
Faustregel für die Reiseplanung: Wer eine nistende Grüne Meeresschildkröte sehen möchte, reist zwischen Juli und Oktober. Wer zusätzlich die Chance auf schlüpfende Jungtiere haben will, wählt Mitte September bis Ende Oktober. Ganz garantieren kann es niemand – es sind Wildtiere.
Eine Nacht am Strand: So läuft eine Nistbeobachtung ab
Die Nistbeobachtung ist streng geregelt, die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt, und das ist gut so. Sie findet ausschliesslich nachts, in kleinen Gruppen und mit einem zertifizierten Guide statt.
Der Ablauf: In der Saison gibt es zwei Zeitfenster pro Nacht, um etwa 20 Uhr und etwa 22 Uhr. Welche Gruppe wann gehen darf, wird von der Parkverwaltung zugeteilt; die Startzeit lässt sich deshalb nicht im Voraus garantieren. Eine Gruppe besteht aus höchstens zehn Personen.
Am Strand patrouillieren speziell ausgebildete Späher. Sie suchen nach einer Schildkröte, die bereits mit dem Graben fertig ist und zu legen beginnt, denn erst dann ist das Tier ruhig genug für Beobachter. Bis zu diesem Moment warten die Gruppen am Rand des Strandes. Pro Schildkröte werden höchstens fünf Gruppen nacheinander herangeführt.
Was man dann sieht, dauert über eine Stunde. Ein Weibchen legt in einer Nacht etwa 80 bis 100 Eier. Danach schiebt sie mit den Hinterflossen Sand über das Nest, wirft an anderen Stellen Scheinnester auf, um Räuber zu täuschen, und kehrt schliesslich ins Meer zurück. Wenn alles gutgeht, kommen die Jungtiere, die hier schlüpfen, in 25 bis 30 Jahren an genau diesen Strand zurück, um selbst Eier zu legen.
Die Regeln, die überall gelten:
- Keine Fotos, keine Videos, kein Handy. Auch nicht ohne Blitz. Licht verwirrt die Weibchen und lenkt die Jungtiere vom Meer weg.
- Keine Taschenlampen. Der Guide arbeitet mit Rotlicht, das die Tiere weniger stört.
- Dunkle Kleidung, geschlossene Schuhe, Mückenschutz.
- Abstand halten und hinter der Schildkröte bleiben.
- Nicht rauchen.
- Mindestalter bei vielen Anbietern: 7 Jahre.
- Bei starkem Regen fallen die Touren aus.
- Kein individueller Strandgang: Das Betreten der Niststrände nachts ohne offiziellen Guide ist streng verboten.
Das Fotoverbot ist keine Willkür. Es ist der Grund, warum die Schildkröten diesen Strand noch nicht aufgegeben haben.
Ein Hinweis: In den Spitzenwochen sind mehrere Gruppen gleichzeitig am Strand, und manchmal teilt man sich ein Tier mit anderen. Wer das ruhiger möchte, fragt nach privaten Führungen oder nach Strandabschnitten mit weniger Betrieb. Manche Lodges bieten beides an.
Unser Tipp: Die Plätze für die Nistbeobachtung sind streng kontingentiert. Buche die Tour am besten direkt beim Check-in in der Lodge. Mit Treffpunkt, kurzer Einweisung in die Schutzregeln und Wartezeit dauert sie insgesamt rund zwei bis drei Stunden.
Tortuguero ohne Schildkröten: Warum sich die Reise das ganze Jahr lohnt
Viele Reisende denken, Tortuguero lohne sich nur zwischen Juli und Oktober. Das stimmt nicht. Die Schildkröten sind der berühmteste Grund für einen Besuch, aber nicht der einzige.
Der Nationalpark umfasst Regenwald, Mangroven, Sümpfe, Lagunen, Strand und Meer. Die Naturschutzbehörde zählt hier unter anderem 442 Vogelarten, 138 Säugetier-, 118 Reptilien- und 58 Amphibienarten sowie über 700 Pflanzenarten. Von den sechs Wildkatzenarten Costa Ricas kommen in Tortuguero fünf vor, darunter der Jaguar – zu sehen bekommt man ihn allerdings nur sehr selten.
Was man dafür sehr wohl sieht, ist auf einer frühen Bootstour fast schon Routine:
- Drei Affenarten: Brüllaffen, Klammeraffen und Weissschulterkapuziner
- Dreifinger-Faultiere, oft zusammengerollt in einer Astgabel
- Kaimane am Ufer, Grüne Leguane in den Bäumen
- Fischotter, mit etwas Glück
- Reiher, Eisvögel, Tukane, Gelbstirnblatthühnchen und viele mehr
- Mit sehr viel Glück eine Seekuh (Karibik-Manati, Trichechus manatus), die im Park ebenfalls geschützt ist
Die Kanäle: Natur auf Augenhöhe
Das klassische Tortuguero-Erlebnis ist eine Bootsfahrt durch die schmalen Seitenkanäle des Parks, etwa den Caño Chiquero, Caño Mora oder Caño Harold. Die Boote fahren langsam und kommen nah an die Ufer heran. Am besten früh am Morgen, wenn die Tiere auf Futtersuche sind.
Noch leiser geht es im Kajak. Wer selbst paddelt, hört plötzlich, wie viel Geräusch der Wald macht.
Caño Palma und Laguna 4
Nördlich des Dorfes führt der Caño Palma in Richtung einer Lagune, die schlicht «Laguna 4» genannt wird. Das Wasser dort ist durch Gerbstoffe aus den Blättern dunkel gefärbt und spiegelt Himmel und Bäume fast perfekt. Viele Touren verbinden diesen Ausflug mit dem Besuch bei einer Familie in einer kleinen ländlichen Gemeinde, die zeigt, wie hier traditionell auf dem Holzfeuer gekocht wird.
Cerro Tortuguero: der einzige Hügel weit und breit
Rund sechs Kilometer nördlich des Dorfes ragt der Cerro Tortuguero 119 Meter aus der flachen Küstenebene, ein Überrest alter vulkanischer Aktivität. Der Aufstieg dauert mit Führung rund zwei Stunden und ist mittelschwer. Oben öffnet sich ein Rundblick über Regenwald, Kanäle und Flüsse bis zum Meer und weit hinein in das angrenzende Schutzgebiet Barra del Colorado.
Das Dorf: karibische Wurzeln
Tortuguero ist nicht nur Natur. Es ist auch eines der Dörfer, an denen man die karibische Geschichte Costa Ricas besonders gut ablesen kann.
Die Region wurde von verschiedenen Gruppen geprägt: von Miskito, von Menschen, die der Sklaverei entkommen waren, und später von jamaikanischen Einwanderern, die als Arbeiter für den Eisenbahnbau und für Holzfirmen an die Küste kamen. Das prägt bis heute die Küche: Rice and Beans mit Kokosmilch und scharfe Saucen gehören hier zum Alltag.
Ein Spaziergang durch das Dorf gehört zu jedem Aufenthalt. Lohnenswerte Stationen:
- Das Besucherzentrum der Sea Turtle Conservancy am Dorfrand, mit einer kleinen Ausstellung über die Schildkröten und die Geschichte der Forschung vor Ort. Der Eintritt kommt dem Schutzprogramm zugute.
- Kleine Läden und Kunsthandwerk, viele mit Schildkrötenmotiven – achte darauf, nichts aus echtem Schildpatt zu kaufen. Der Handel ist verboten.
- Die Schule, die man unter der Woche im Rahmen geführter Dorfrundgänge besuchen kann.
Das Wetter: Regen gehört dazu
Tortuguero ist einer der nassesten Orte Costa Ricas. Pro Jahr fallen deutlich über 3’500 Millimeter Regen – mehr als dreimal so viel wie in Zürich. Eine richtige Trockenzeit gibt es hier nicht.
Trotzdem gibt es Monate, die angenehmer sind als andere. Als vergleichsweise trocken gelten Februar und März sowie September und Oktober. Das ist praktisch, denn September und Oktober fallen mitten in die Nist- und Schlüpfsaison der Grünen Meeresschildkröte. Während in anderen Landesteilen dann die Regenzeit am stärksten ist, erlebt die Karibikküste oft ihre ruhigsten Wochen.
Für die Packliste heisst das: leichte Regenjacke, Kleidung, die schnell trocknet, Mückenschutz und eine dunkle, langärmlige Garnitur für die Nachttour. Gummistiefel stellen viele Lodges zur Verfügung.
Wohnen am Fluss: die Tortuga Lodge
Die meisten Unterkünfte in Tortuguero liegen nicht im Dorf, sondern verteilt an den Ufern der Kanäle. Eine davon ist die Tortuga Lodge der Gruppe Böëna, am Ufer des Río Tortuguero, etwa 1,5 Kilometer von der Flussmündung ins Karibische Meer entfernt.
Was die Lodge für Naturinteressierte interessant macht, ist weniger der Komfort als die Lage:
- Ein eigenes Schutzgebiet von 26 Hektaren direkt hinter dem Haus. Laut der Lodge ist sie das einzige Hotel in Tortuguero mit einem eigenen privaten Naturreservat. Vier kurze Wege führen hinein und sind für Gäste frei zugänglich; geführt wird dort auch eine Dämmerungswanderung, bei der man die Übergabe vom Tag- zum Nachtleben des Waldes miterlebt.
- Flussblick aus allen Zimmern. Die 29 Zimmer und Suiten im karibisch-viktorianischen Stil tragen Namen wie «Miss Florentina», «Miss Evelyn» oder «Papi Brown». Sie haben Terrasse oder Balkon und solarbeheizte Duschen.
- Ein Salzwasserpool am Fluss und ein halboffenes Restaurant mit karibischer Küche aus regionalen Zutaten.
Von der Lodge aus werden die meisten Erlebnisse dieses Beitrags angeboten: die Bootstour durch den Nationalpark, Kajak in den Kanälen, die Wanderung auf den Cerro Tortuguero, der Ausflug zur Laguna 4, der Dorfrundgang mit Besuch bei der Sea Turtle Conservancy, eine Kakao- und Schokoladenerfahrung im eigenen Kakaogarten sowie in der Saison die Nistbeobachtung (1. Juli bis 31. Oktober) und die Suche nach schlüpfenden Jungtieren (etwa 15. September bis 15. November).
Gut zu wissen: Die Gruppe Böëna betreibt auch die Pacuare Lodge am Río Pacuare. Zwischen beiden Lodges gibt es einen kombinierten Transfer mit Boot, Fahrzeug und Rafting – eine der ungewöhnlichsten Arten, von einem Ort Costa Ricas zum nächsten zu kommen.
Wie viele Nächte, und wie passt Tortuguero in die Route?
Für Tortuguero solltest du mindestens zwei Nächte einplanen. Der Anreisetag geht weitgehend für die Fahrt verloren, der Abreisetag ebenso. Erst mit zwei Nächten bleibt ein voller Tag für Bootstour, Dorf und eine Abend- oder Nachttour. Mit drei Nächten wird es entspannt, und es bleibt Zeit für Cerro Tortuguero, Laguna 4 oder einfach einen Nachmittag mit Blick auf den Fluss.
Tortuguero passt gut an den Anfang einer Rundreise: San José liegt nah, die Region ist ein starker Kontrast zu den Vulkanen, dem Nebelwald und der Pazifikküste, die meist danach folgen. In unserer 21-Tage-Route steht Tortuguero deshalb gleich zu Beginn. Auch logistisch ist das einfach, denn verschiedene Lodges bieten Pakete mit Transfer ab San José an.
Was du als Gast konkret tun kannst
- Nur mit zertifiziertem Guide an den Strand, nachts sowieso. Wer auf eigene Faust losgeht, stört die Tiere und macht sich strafbar.
- Kein Licht und keine Kamera am Nistplatz, auch wenn andere es tun.
- Kein Plastik am Strand zurücklassen. Jungtiere verfangen sich darin, erwachsene Tiere verwechseln Plastiktüten mit Quallen.
- Keine Produkte aus Schildpatt oder Schildkröteneiern kaufen, auch nicht als «Souvenir».
- Lokale Guides buchen. Viele stammen aus Familien, die früher von der Schildkrötenjagd lebten. Ihr Einkommen ist der beste Schutz.
- Den Naturschutzbeitrag der Lodge und den Parkeintritt nicht als lästige Gebühr sehen: Damit werden Strand, Patrouillen und Forschung finanziert.
- Keine Touren buchen, die das Schlüpfen der Jungtiere gefährden.
Tortuguero auf einen Blick
| Lage | Nördliche Karibikküste, Provinz Limón |
| Anreise | Per Boot ab Caño Blanco oder La Pavona (dorthin mit Mietwagen, Bus, Privat- oder Shuttle-Transfer), mit dem Lodge-Transfer ab San José oder per Kleinflugzeug ab San José (25 bis 30 Minuten) |
| Nationalpark | Seit 1970, Gesetz 1975; rund 26’650 ha Land und rund 50’280 ha Meer |
| Ramsar-Feuchtgebiet | Seit 1996 |
| Grüne Meeresschildkröte | Juli bis Oktober, Höhepunkt meist im August |
| Schlüpfen der Jungtiere | Etwa Mitte September bis Mitte November |
| Lederschildkröte | Etwa Februar bis Juli, am häufigsten März bis Mai |
| Forschung | Sea Turtle Conservancy, seit 1959; längstes durchgehendes Schildkröten-Monitoring der Welt |
| Artenvielfalt | 442 Vogel-, 138 Säugetier-, 118 Reptilien-, 58 Amphibienarten |
| Niederschlag | Deutlich über 3’500 mm pro Jahr; trockener im Februar/März und September/Oktober |
| Empfohlene Aufenthaltsdauer | 2 bis 3 Nächte |
| Dorf | Rund 1’200 bis 1’500 Einwohner, keine Autos |
Häufige Fragen zu Tortuguero
Wann ist die beste Zeit, um Schildkröten in Tortuguero zu sehen?
Für nistende Grüne Meeresschildkröten von Juli bis Oktober, mit dem Höhepunkt meist im August. Schlüpfende Jungtiere sieht man etwa von Mitte September bis Mitte November. Die beste Kombination aus beidem bieten Mitte September bis Ende Oktober. Lederschildkröten nisten seltener, etwa von Februar bis Juli, am häufigsten von März bis Mai.
Wie kommt man nach Tortuguero?
Nur per Boot oder Kleinflugzeug, denn es gibt keine Strasse ins Dorf. Mit dem Mietwagen, dem Bus, einem Privat- oder Shuttle-Transfer fährst du zu den Bootsanlegestellen in Caño Blanco oder La Pavona und von dort etwa eine Stunde mit dem Boot weiter. Verschiedene Lodges bieten auch einen Transfer ab San José an, mit Frühstücksstopp und anschliessender Bootsfahrt bis zur Unterkunft. Alternativ fliegst du in rund 25 bis 30 Minuten ab San José nach Tortuguero.
Darf man bei der Nistbeobachtung fotografieren?
Nein. Fotos, Videos, Handys und Taschenlampen sind am Nistplatz verboten. Licht stört die Weibchen beim Eierlegen und lenkt die Jungtiere vom Meer weg. Der Guide arbeitet mit Rotlicht.
Kann man in Tortuguero auf eigene Faust an den Strand, um Schildkröten zu sehen?
Nachts nicht. Die Nistbeobachtung ist nur in Begleitung eines zertifizierten Guides und in den von der Parkverwaltung zugeteilten Zeitfenstern erlaubt, in Gruppen von höchstens zehn Personen.
Lohnt sich Tortuguero auch ausserhalb der Schildkrötensaison?
Ja. Der Nationalpark ist das ganze Jahr ein ausgezeichnetes Ziel für Tierbeobachtungen. Auf Bootstouren durch die Kanäle sieht man regelmässig Affen, Faultiere, Kaimane, Leguane und viele Vogelarten. Dazu kommen Kajaktouren, der Aufstieg auf den Cerro Tortuguero und das karibisch geprägte Dorf.
Wie viele Nächte sollte man in Tortuguero bleiben?
Wir empfehlen zwei Nächte, bei viel Zeit können es auch drei sein. An- und Abreise brauchen jeweils einen grossen Teil des Tages. Erst ab zwei Nächten bleibt ein voller Tag für Bootstour, Dorf und eine Nachttour.
Ist Tortuguero für Kinder geeignet?
Ja, mit Einschränkungen bei den Nachttouren. Viele Anbieter verlangen für die Nistbeobachtung ein Mindestalter von sieben Jahren. Bootstouren, Dorfrundgang und kurze Waldwege sind auch für jüngere Kinder gut machbar.
Welche Tiere sieht man in Tortuguero ausser Schildkröten?
Brüllaffen, Klammeraffen und Kapuzineraffen, Faultiere, Kaimane, Krokodile, Leguane, Fischotter, Pfeilgiftfrösche und eine grosse Zahl von Vogelarten – die Naturschutzbehörde zählt im Park 442. Mit viel Glück sieht man Seekühe. Jaguare leben im Park, werden aber nur sehr selten beobachtet.
Zum Schluss
Tortuguero ist kein Ort für Leute, die es bequem haben wollen. Es regnet oft, die Wege sind sandig, und die wichtigste Tour des Jahres findet mitten in der Nacht statt, ohne Kamera.
Aber es ist einer der wenigen Orte, an denen man sehen kann, wie Naturschutz tatsächlich funktioniert, wenn er von den Menschen vor Ort getragen wird. Ein Dorf, das einst von der Jagd lebte, schützt heute die Tiere, die es früher gegessen hat. Und eine Schildkröte, die in diesem Herbst hier schlüpft, kommt mit etwas Glück in einem Vierteljahrhundert an denselben Strand zurück.
Wer einmal nachts im Dunkeln neben einer Schildkröte gestanden hat, die gerade ihre Eier legt, versteht, warum hier niemand ein Foto braucht.
Wir buchen die Tortuga Lodge und die Touren in Tortuguero direkt und bauen den Aufenthalt so in deine Reise ein, dass er zur Saison, zu deiner Route und zu deinem Tempo passt – mit einem Schweizer Ansprechpartner vor Ort.
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