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Der Arenal nach der Eruption: Was Costa Ricas berühmtester Vulkan heute ist

42 Jahre lang spuckte der Arenal Lava, und Reisende aus aller Welt kamen, um nachts das Glühen zu sehen. Seit 2010 ist er still. Erloschen ist er nicht. Was 1968 geschah, warum der Vulkan heute ruht, woher das warme Wasser kommt und wie man die Region um La Fortuna heute am besten erlebt.

Bis zum Sommer 1968 war der Arenal für die Menschen in Tabacón und Pueblo Nuevo vor allem ein bewaldeter Berg. Niemand, der dort lebte, hatte ihn je aktiv erlebt.

Dann bebte die Erde, und am 29. Juli explodierte die Flanke.

Was danach folgte, war die tödlichste Vulkankatastrophe in der Geschichte Costa Ricas und der Beginn von 42 Jahren fast ununterbrochener Aktivität. Und, ganz nebenbei, die Geburt eines der bekanntesten Reiseziele Mittelamerikas.

Kurz erklärt: Ist der Arenal noch aktiv?

Ja, aber er ruht. Der Arenal ist ein 1’670 Meter hoher Schichtvulkan im Norden Costa Ricas, nahe der Ortschaft La Fortuna, und mit einem Alter von etwa 7’000 Jahren der jüngste Vulkan des Landes. Nach dem Ausbruch vom 29. Juli 1968 war er 42 Jahre lang aktiv. Seit 2010 fliesst keine Lava mehr. Das Vulkanobservatorium OVSICORI an der Universidad Nacional überwacht ihn weiterhin, denn der Vulkan stösst noch Wasserdampf und etwas Kohlendioxid aus. Vulkanologen stufen ihn deshalb als aktiv in einer Ruhephase ein, nicht als erloschen.

Auf einen Blick: Höhe 1’670 m – etwas niedriger als die Rigi · Ausbruch am 29. Juli 1968 · aktiv bis 2010 · heute in Ruhephase, laufend überwacht · Nationalpark seit 1991, 12’080 Hektaren · Arenalsee seit 1979, rund 87 km² · Thermalquellen rund um den Vulkan.

29. Juli 1968: der Tag, an dem der Berg erwachte

Bevor der Arenal 1968 ausbrach, hatte er nach Erkenntnissen der Vulkanologen etwa 500 Jahre lang geschwiegen. Am 28. Juli spürten die Bewohner der Umgebung leichte Erdbeben. Am folgenden Tag riss eine Explosion die Nordostflanke des Berges auf halber Höhe auf. Es entstanden neue Krater, einer davon rund 200 Meter breit.

Was die Menschen tötete, war nicht die Lava, sondern pyroklastische Ströme: Lawinen aus heissem Gas, Asche und Gestein, die mit hoher Geschwindigkeit die Hänge hinunterrasten. Sie trafen vor allem die Dörfer Tabacón und Pueblo Nuevo; auch San Luis wurde verschüttet. Weitere Orte, darunter La Fortuna, wurden evakuiert.

Wie viele Menschen starben, lässt sich nicht genau sagen. Die Angaben reichen von mindestens 65 Toten laut dem Global Volcanism Program der Smithsonian Institution bis zu rund 100 laut der Universidad Nacional. Sicher ist: Keine andere Vulkankatastrophe hat in Costa Rica mehr Menschenleben gekostet.

Der Arenal war für die Menschen ein Berg. Erst am 29. Juli 1968 wurde er zum Vulkan.

42 Jahre Feuer

Nach dem Ausbruch kam der Arenal nicht mehr zur Ruhe. Von 1968 bis 2010 war er praktisch ununterbrochen aktiv: Gasexplosionen, Lavaströme, die sich die Flanken hinunterwälzten, neue Krater. Damit zählt die Eruptionsphase zu den längsten, die seit 1750 weltweit dokumentiert wurden.

Für die Region bedeutete das zweierlei. Zum einen lebte man jahrzehntelang mit einem Vulkan, der jederzeit gefährlich werden konnte. Zum anderen wurde er zur Attraktion. Aus dem kleinen Bauerndorf La Fortuna wurde ein Reiseziel, weil Besucher nachts die rot glühenden Lavaströme am Kegel beobachten wollten. Hotels, Restaurants und Tourenanbieter entstanden, und die Thermalquellen am Fuss des Berges wurden bekannt.

Seit 2010: Ruhe, aber nicht erloschen

Im Jahr 2010 hörte die magmatische Aktivität auf. Seither fliesst keine Lava mehr, das nächtliche Glühen ist verschwunden. Für viele Besucher, die dies erzählt bekommen haben, ist das eine Enttäuschung. Für die Wissenschaft ist es ein Normalfall.

Das Vulkanobservatorium OVSICORI an der Universidad Nacional überwacht den Arenal laufend, mit Beobachtungen am Krater und spektroskopischen Messungen aus der Distanz. Die Messungen zeigen schwache, diffuse Wasserdampfemissionen und geringe Mengen Kohlendioxid, aber kein Schwefeldioxid, das als wichtigster Hinweis auf aufsteigendes Magma gilt.

Der Vulkanologe Geoffroy Avard vom OVSICORI bringt es so auf den Punkt: Was für Menschen lange erscheint, ist für einen Vulkan «apenas un instante», kaum ein Augenblick. Aktiv ist ein Vulkan nach seiner Definition dann, wenn er innere Prozesse aufrechterhält und die Fähigkeit behält, wieder auszubrechen. Beides trifft auf den Arenal zu. Anzeichen für eine baldige Reaktivierung sehen die Fachleute derzeit nicht.

Was die Ruhe für Besucher bedeutet

Die stille Phase hat auch ihre guten Seiten:

  • Der Kegel ist sichtbar. Ohne Aschewolken zeigt sich der Arenal an klaren Tagen in seiner perfekten Kegelform – eines der bekanntesten Fotomotive des Landes. Der Gipfel steckt allerdings oft in Wolken. Wer ihn sehen möchte, plant besser mehr als eine Nacht ein.
  • Die Wanderwege führen über alte Lavafelder. Im Nationalpark gehst du über Lava, die man früher nur aus der Ferne hätte sehen können.
  • Der Wald kehrt zurück. Auf den Lavaströmen der 1990er-Jahre wachsen heute Pionierpflanzen, Sträucher und junge Bäume. Man kann zusehen, wie sich ein Ökosystem neu bildet.

Im Nationalpark: über die Lava von gestern

Der Parque Nacional Volcán Arenal wurde am 6. November 1991 per Dekret gegründet und umfasst 12’080 Hektaren zwischen 40 und rund 2’000 Metern Höhe. Er schützt neben dem Arenal auch den älteren, erloschenen Nachbarvulkan Cerro Chato und reicht bis an den Arenalsee. Im Park leben über 100 Säugetierarten, darunter Faultiere, Tapire und Hirsche.

Die bekanntesten Wege im Sektor Vulkan:

WegLängeWas dich erwartet
Sendero Heliconiasrund 600 m, flachDurch Wald, der auf Material des Ausbruchs von 1968 gewachsen ist
Sendero Las Coladasrund 1,7 km, überwiegend flachBis zu einem Lavastrom aus den 1990er-Jahren, mit Aussichtspunkt auf den Vulkan
Sendero El Ceiborund 2,3 kmZu einem Ceiba-Baum, der auf über 400 Jahre geschätzt wird – er hat den Ausbruch überlebt
Sendero Los Miradores (Sektor Península)rund 1,2 kmBis ans Ufer des Arenalsees

Der Park ist täglich von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Die Wege sind kurz und gut machbar, auch für Familien. Auf den Gipfel des Arenal selbst darf niemand: Der Aufstieg ist verboten, und das hat gute Gründe.

Gut zu wissen: Wer frühmorgens kommt, hat die besten Chancen auf einen wolkenfreien Blick auf den Kegel und auf Vogelbeobachtungen. Mittags ist es auf den offenen Lavafeldern heiss.

Warum das Wasser warm ist: die Thermalquellen

Kaum jemand fährt nach La Fortuna, ohne in eine Thermalquelle zu steigen. Rund um den Arenal gibt es zahlreiche Anlagen, von einfachen Becken bis zu grossen Thermalbädern mit Spa.

Der Ursprung ist der Vulkan. Regenwasser versickert in den Boden, gelangt in die Tiefe und wird dort von der Restwärme des vulkanischen Systems erhitzt. Als warmes, mineralhaltiges Wasser tritt es an Quellen und in Flüssen wieder aus. Die Universidad Nacional spricht von thermomineralischen Quellen, die auch Teil der laufenden Vulkanüberwachung sind.

Dass das Wasser warm bleibt, obwohl seit 2010 keine Lava mehr fliesst, ist übrigens kein Widerspruch. Die Wärme stammt aus der Tiefe, nicht von der Oberfläche. Es ist eines der deutlichsten Zeichen dafür, dass der Arenal schläft und nicht erloschen ist.

Die Lava ist verschwunden. Die Wärme ist geblieben. Und wer im warmen Wasser liegt, badet sozusagen im Atem des Vulkans.

Der See, der zwei Dörfer verschluckte

Westlich des Vulkans liegt der Arenalsee, mit rund 87 Quadratkilometern das grösste Gewässer Costa Ricas. Er ist allerdings kein natürlicher See, sondern ein Stausee: Das staatliche Elektrizitätsinstitut ICE weihte den Damm am 9. Dezember 1979 ein. Für das Projekt wurden die beiden Dörfer Arenal und Tronadora umgesiedelt; ihre alten Standorte liegen heute unter Wasser.

Der See ist für das Land von besonderer Bedeutung. Er ist der einzige Stausee Costa Ricas, der in der Regenzeit Wasser speichern kann, um damit in den trockensten Monaten Strom zu erzeugen. Und das Wasser hat danach noch eine zweite Aufgabe: Es fliesst in das Bewässerungssystem Arenal-Tempisque und versorgt die Felder in Guanacaste, der trockensten Provinz des Landes. Mehr über diese Region und den Fluss Tempisque liest du in unserem Beitrag über den Trockenwald von Guanacaste.

Für Reisende ist der See heute vor allem eine Landschaft: Wind, Wasser, grüne Hügel und der Vulkan am Horizont. Die Strasse um den See gilt als eine der schönsten Strecken im Norden Costa Ricas.

Die Maleku und der heilige Berg

Lange vor den Siedlern, den Vulkanologen und den Touristen lebten am Arenal Menschen. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung der Region seit rund 5’500 Jahren. Für die Maleku, ein indigenes Volk im Norden Costa Ricas, ist der Vulkan bis heute ein heiliger Ort.

La Fortuna als Basis: wohnen im Ort

Rund um den Arenal gibt es Unterkünfte aller Art, von abgelegenen Lodges im Wald bis zu grossen Resorts an den Thermalquellen. Für viele Reisende ist ein Hotel im Ort selbst die praktischste Wahl: Restaurants, Geschäfte, Apotheken und Tourenanbieter sind zu Fuss erreichbar, und man ist nicht für jede Mahlzeit auf ein Auto angewiesen.

Genau so eine Unterkunft ist die La Fortuna Lodge der Gruppe Treebū. Sie liegt nur drei Blocks vom zentralen Park in La Fortuna entfernt, rund 120 Kilometer von San José. Für Vulkanfans interessant: Mehrere Zimmerkategorien sind auf den Arenal ausgerichtet.

  • Standard: für zwei Personen, mit Klimaanlage, Minibar, Safe und Kaffeemaschine
  • Superior: mit Blick auf den Vulkan von der gemeinsamen Terrasse
  • Premium Twin: mit privater Terrasse, Innengarten und teilweisem Vulkanblick
  • Premium Vista al Volcán: mit eigenem Balkon und direktem Blick auf den Arenal

Über die Lodge lassen sich die typischen Erlebnisse der Region organisieren: Hängebrücken durch den Regenwald, Ausritte durch Wälder und Weiden bis an die Hänge des Vulkans, Besuche in Thermalbädern, Canopy, Rafting, Vogelbeobachtung, Bootstouren und Wanderungen.

Weiter nach Monteverde: Vulkan und Nebelwald verbinden

Der Arenal und der Nebelwald von Monteverde sind die beiden bekanntesten Ziele im Hochland Costa Ricas, und sie liegen nah beieinander. Der Landweg führt um den Arenalsee und dauert rund dreieinhalb Stunden, ein Teil der Strecke ab Tilarán ist Schotterstrasse. Es gibt auch Transfers, die einen Teil der Strecke per Boot über den See zurücklegen.

Die Gruppe Treebū hat neben der La Fortuna Lodge drei Hotels in Monteverde: Hotel & Spa Poco a Poco, Sibū Boutique Hotel und Monteverde Country Lodge. Damit lässt sich die Kombination aus Vulkan und Nebelwald in einer Hand planen. Wie das aussehen kann, zeigen unsere Routenvorschläge für 10, 14 und 21 Tage, in denen Arenal in allen drei Varianten vorkommt.

Wie viele Nächte, und worauf achten?

Zwei bis drei Nächte sind ideal. Ein Tag für den Nationalpark und die Thermalquellen, ein weiterer für Hängebrücken, Canopy, Rafting oder den See. Und ein Puffer, falls der Vulkan sich in Wolken hüllt.

Praktische Tipps:

  • Früh aufstehen. Morgens sind die Chancen auf klare Sicht am besten.
  • Regenjacke einpacken. Die Region um den Arenal ist feucht, auch in der Trockenzeit kann es regnen.
  • Badekleidung griffbereit halten. Viele Thermalbäder sind bis in den Abend geöffnet, ideal nach einem Ausflugstag.
  • Nicht auf eigene Faust Richtung Gipfel. Das Gebiet nahe dem Krater ist gesperrt und darf nicht betreten werden.
  • Mit lokalen Guides unterwegs sein. Sie kennen nicht nur die Tiere, sondern auch die Geschichte der Region.

Der Arenal auf einen Blick

LageNorden Costa Ricas, Provinz Alajuela; Eingang des Nationalparks rund 7 km von La Fortuna
Höhe1’670 m (Global Volcanism Program)
TypSchichtvulkan, rund 7’000 Jahre alt, jüngster Vulkan Costa Ricas
Grosser Ausbruch29. Juli 1968; Dörfer Tabacón, Pueblo Nuevo und San Luis zerstört
OpferJe nach Quelle mindestens 65 bis rund 100 Menschen
Aktive Phase1968 bis 2010
HeuteRuhephase, Überwachung durch OVSICORI-UNA, kein Schwefeldioxid messbar
NationalparkSeit 6. November 1991, 12’080 ha, täglich 8 bis 16 Uhr
ArenalseeStausee seit 9. Dezember 1979, rund 87 km², grösstes Gewässer des Landes
ThermalquellenRegenwasser, in der Tiefe vom Vulkansystem erhitzt
Empfohlene Dauer2 bis 3 Nächte
KombinationIdeal mit Monteverde, rund 3,5 Stunden Fahrt

Häufige Fragen zum Vulkan Arenal

Ist der Vulkan Arenal noch aktiv?

Ja, er ist aktiv, aber in einer Ruhephase. Nach 42 Jahren Aktivität hörte der Lavaausstoss 2010 auf. Das Observatorium OVSICORI misst weiterhin Wasserdampf und etwas Kohlendioxid, aber kein Schwefeldioxid. Anzeichen für einen baldigen neuen Ausbruch sehen die Fachleute derzeit nicht.

Kann man am Arenal noch Lava sehen?

Nein. Seit 2010 fliesst keine Lava mehr, und das nächtliche Glühen, für das der Arenal bekannt war, gibt es nicht mehr. Im Nationalpark kann man aber über erkaltete Lavaströme wandern.

Wann ist der Arenal ausgebrochen?

Der grosse Ausbruch begann am 29. Juli 1968 nach rund 500 Jahren Ruhe. Pyroklastische Ströme zerstörten die Dörfer Tabacón, Pueblo Nuevo und San Luis. Danach blieb der Vulkan bis 2010 aktiv.

Darf man auf den Arenal steigen?

Nein. Der Aufstieg zum Gipfel ist verboten. Im Nationalpark gibt es jedoch mehrere Wanderwege am Fuss des Vulkans, unter anderem über Lavafelder und zu einem über 400 Jahre alten Ceiba-Baum.

Warum sind die Quellen am Arenal warm?

Regenwasser versickert, wird in der Tiefe von der Restwärme des Vulkansystems erhitzt und tritt als warmes, mineralhaltiges Wasser wieder aus. Deshalb sind die Quellen auch heute noch warm, obwohl der Vulkan ruht.

Ist der Arenalsee natürlich?

Nein. Der Arenalsee ist ein Stausee, der 1979 für die Stromerzeugung angelegt wurde. Mit rund 87 Quadratkilometern ist er das grösste Gewässer Costa Ricas. Die Dörfer Arenal und Tronadora wurden dafür umgesiedelt.

Wie viele Nächte sollte man in La Fortuna bleiben?

Zwei bis drei Nächte. So bleibt Zeit für Nationalpark, Thermalquellen und eine Aktivität wie Hängebrücken oder Rafting, und es gibt einen Puffer, falls der Gipfel in Wolken liegt.

Wie kommt man vom Arenal nach Monteverde?

Auf dem Landweg um den Arenalsee in rund dreieinhalb Stunden, teilweise über Schotterstrassen. Alternativ gibt es Transfers, die einen Teil der Strecke per Boot über den See zurücklegen.

Zum Schluss

Der Arenal ist heute nicht mehr der Vulkan, der er zwischen 1968 und 2010 war. Wer nachts glühende Lava erwartet, wird enttäuscht.

Wer aber verstehen möchte, wie ein Vulkan eine ganze Region formt – mit Zerstörung, mit fruchtbarem Boden, mit warmem Wasser und mit einem See, der heute Strom liefert und Felder bewässert –, der findet am Arenal einen der besten Orte dafür. Und einen Berg, der still ist, aber nicht schläft.

Ein Vulkan in Ruhe ist kein toter Vulkan. Er ist ein Vulkan, der sich Zeit lässt.

Wir buchen die La Fortuna Lodge und die Hotels der Gruppe Treebū in Monteverde direkt und planen deine Tage am Vulkan so, dass Nationalpark, Thermalquellen und Weiterreise zusammenpassen – mit einem Schweizer Ansprechpartner vor Ort. Mehr zur Region findest du auf unserer Seite La Fortuna und der Vulkan Arenal.

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